Vegan leben ohne Verzicht

vegan

Die Liste der Lebensmittel, die Veganer nicht essen dürfen beziehungsweise nicht essen wollen, ist lang – zumindest stellt man sich das so vor, wenn man nicht vegan lebt. Dass sich Veganer aber nicht nur von Zucchini und Reis ernähren, zeigt eine Einkaufstour mit einer Veganerin.

Bioläden und Reformhäuser haben Veganern einiges zu bieten. Milch-, Ei- und Fleischersatz gibt es in allen möglichen und unmöglichen Varianten. Manche Läden haben bis zu zehn verschiedene Eiersatzprodukte oder mehrere Sorten veganen Käse im Sortiment. Vier Sorten Milch gibt es obendrauf. Allerdings hat nicht jeder Veganer ein solches Geschäft in der Nähe. Und außerdem sind viele der genannten Produkte sehr teuer.

Kostengünstiger finden Veganer aber auch in herkömmlichen Supermärkten vieles, was ihr Herz begehrt, räumt Tereza Vandrovcová mit einem gängigen Irrglauben auf. Die 30-Jährige lebt seit drei Jahren als Veganerin. Sie verzichtet auf alle tierischen Produkte beim Essen, aber auch bei der Kleidung, und sie lehnt auch Kosmetik ab, die an Tieren getestet wurden. „Vegan leben heißt nicht automatisch viel mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Wenn man allerdings so wie ich viele dieser Ersatzprodukte gerne isst, kann vegane Ernährung teurer werden“, sagt die Soziologin. Tereza kennt aber viele Tricks, um dennoch Geld zu sparen. Reismilch könne man selbst machen, indem man Reis kocht, ihn anschließend püriert, mit Wasser vermischt und in einem Tuch ruhen lässt. Die Flüssigkeit, die dann entsteht, kann getrunken werden. Eier könne man beim Backen auch durch Bananen und Sojajoghurts ersetzen. Manchmal sei einfach nur ein bisschen Kreativität und Experimentierfreudigkeit gefragt.

Italienische Pasta ist ohne Eier

Tereza schreibt an ihrer Dissertation in Soziologie und unterrichtet an der Uni, nebenbei bietet sie Seminare für Menschen an, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Mit Veganismus beschäftigt sie sich allerdings auch in ihrer Freizeit. Sie betreut eine Internetseite zum Thema, gibt Tipps rund um vegane Ernährung, stellt Rezepte und Restaurants vor oder berichtet über Tierhaltung (nicht nur) in Tschechien.

In einem kleinen Supermarkt im Prager Stadtteil Nusle kauft Tereza regelmäßig ein. Obst, Gemüse, Linsen, Couscous und Frühstücksflocken landen wenig überraschend in ihrem Einkaufskorb. Mit Kennerblick nimmt sie sich aber auch Schokolade, Nudeln und Joghurts, Semmelknödel, Tortillas, Vanillepudding und sogar Eis aus dem Regal – und alle diese Produkte sind vegan!

Original italienische Nudeln etwa sind immer ohne Ei, tschechische Teigwaren hingegen fast immer mit, habe sie gelernt. Waffelschnitten und Schokolade (Halbbitter und Marzipan) bestimmter Hersteller kommen ebenso ohne tierische Inhaltsstoffe aus wie auch der Großteil der traditionellen tschechischen Semmelknödel, die es fertig zu kaufen gibt. Wer beim Einkaufen aufmerksam die Verpackungsaufschriften liest, entdeckt zudem vegane Tortellinis, Spätzle, Cornflakes, Geleefrüchte oder Müsliriegel. Viele Tortillas sind mittlerweile bereits als vegan gekennzeichnet, ebenso wie Joghurts und Puddings aus Sojamilch.

Veganes Eis

Terezas Speiseplan war nicht immer so vielfältig. „Zu Beginn habe ich ziemlich eintönig gegessen und eingekauft“, erinnert sie sich. Geholfen haben ihr die Tipps der veganen Gemeinschaft. „Ich habe gemerkt, wie viele Produkte vegan sind, ohne dass ich es gewusst habe.“

Für spezielle Lebensmittel wie veganen Käse aus pflanzlichen Ölen oder Hafermilch weicht Tereza trotzdem in Bioläden aus. Das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, hat sie nicht. Immerhin gebe es mittlerweile sogar veganes Eis zu kaufen. Das Gefühl des permanenten Verzichts unterstellen ihr immer nur Nicht-Veganer, die ihre Ernährung nicht verstehen wollen, betont Tereza. „Ich gehe in den Supermarkt und freue mich darüber, was ich alles essen kann. Ich denke nicht darüber nach, was ich alles weglassen muss.“

Der Artikel wurde im Juli 2014 bei jádu-dem jungen, deutsch-tschechischen Online-Magazin veröffentlicht.

Foto: flickr.com/digiyesica, CC BY-NC-ND 2.0

Der Artikel wurde im Februar 2014 bei jádu-dem jungen, deutsch-tschechischen Online-Magazin veröffentlicht – See more at: http://www.schluckhuber.com/2014/02/17/markenzeichen-triple-cork-1440/#sthash.R2tM3Sw3.dpuf
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